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Expertise Neubau Campus Biel/Bienne

Die EVP ver­zich­tet auf schnelle Schuld­zu­wei­sun­gen und sieht die Exper­tise als Chance, die poli­ti­schen Pro­zesse zu opti­mie­ren.

Die 49-seitige Exper­tise macht eine gründ­li­che Ana­lyse des bis­he­ri­gen Pla­nungs­pro­zes­ses und gibt Ein­blick in das Zusam­men­wir­ken der ver­schie­de­nen Fak­to­ren, die zu einer Über­schrei­tung des Kre­dit­rah­mens bei­tru­gen. Die EVP begrüsst aus­drück­lich das Vor­ge­hen der Regie­rung, mit einem Exper­ten­be­richt die Gründe für die aus dem Ruder gelau­fe­nen Kos­ten seriös zu ana­ly­sie­ren und dankt für die trans­pa­rente Kom­mu­ni­ka­tion. Der Zeit­punkt für eine Kurs­kor­rek­tur ist heute noch gege­ben – der Kan­ton musste auch schon Exper­ti­sen im Nach­hin­ein für bereits gebaute Tat­sa­chen in Auf­trag geben.

Der Bericht zeigt einer­seits, dass mit offe­nem Pro­jekt­wett­be­werb und Gene­ral­pla­ner­team ein für das Bau­pro­jekt adäqua­tes Ver­fah­ren und für den Pro­jekt­pro­zess erprobte Instru­mente, mit exter­nem Con­trol­ling, ange­wen­det wur­den. Ander­seits kommt in der Ana­lyse auch eine in Bau­pla­nungs­pro­zes­sen bekannte Erfah­rung zum Aus­druck: Wenn bereits in der Vorprojekt- und Bau­pro­jekt­phase die Kos­ten­be­rech­nun­gen höher als (poli­tisch) gewünscht aus­fal­len, kön­nen in der Wei­ter­be­ar­bei­tung die Kos­ten nicht ohne klar bezeich­nete Ver­zichts­po­si­tio­nen gesenkt wer­den. Im Hin­blick auf wei­tere Gross­pro­jekte ist des­halb für die poli­tisch ver­ant­wort­li­chen Organe das Fazit ent­schei­dend, das auf die man­gelnde Ver­zichts­be­reit­schaft auf der Bestel­ler­seite, respek­tive die feh­len­den Anreize zur Pro­jek­top­ti­mie­rung ver­weist.

Die BaK und das Par­la­ment müs­sen die­sen Zusam­men­hang in Zukunft stär­ker beach­ten und ggf. extern über­prü­fen las­sen. Aller­dings soll­ten Par­la­ment und Regie­rung auch selbst­kri­tisch fest­stel­len, das Pro­jekt mit Auf­la­gen bezüg­lich Qua­li­tät, Bau­stoffe und Beschaf­fung erwei­tert zu haben, ohne dabei nach einem Preis­schild zu fra­gen. Die Pro­ble­ma­tik der ers­ten Zahl und deren Ein­ord­nung: Die Poli­tik muss unbe­dingt einen pro­fes­sio­nel­le­ren Umgang mit der Kom­mu­ni­ka­tion von Bau­kos­ten fin­den. Der Kre­dit­rah­men sollte mit Bench­marks hin­ter­legt sein, die eine Ein­ord­nung in ver­gleich­bare Pro­jekte aus der Schweiz erlau­ben. Gleich­zei­tig soll­ten auch die Mehr­kos­ten für die erhöh­ten Stan­dards, wie Ener­gie, Holz­bau­weise und Nut­zungs­fle­xi­bi­li­tät, detail­liert aus­ge­wie­sen wer­den. Zudem braucht die Umset­zung von poli­ti­schen Auf­la­gen einen gewis­sen Spiel­raum: Es ist nicht öko­no­misch, ein sol­ches Gross­pro­jekt bis zur letz­ten Schraube mit dem Bau­stoff Holz zu rea­li­sie­ren und auch die Beschaf­fung des Roh­stof­fes aus dem eige­nen Forst bedarf einer gewis­sen Fle­xi­bi­li­tät. In die­sem Zusam­men­hang for­dern wir für Pro­jekte in die­ser Grös­sen­ord­nung eine stär­kere poli­ti­sche Beglei­tung, eine inten­si­vere Kom­mu­ni­ka­tion mit der Poli­tik, bei­spiels­weise über die BaK.

Der enge Ter­min­rah­men und die offe­nen Rechts­fra­gen haben sich offen­bar in den Preis­be­rech­nun­gen der Total­un­ter­neh­mer­of­fer­ten nie­der­ge­schla­gen. Dies ist eine wich­tige Aus­sage der Exper­tise im Hin­blick auf die wei­te­ren anste­hen­den Gross­pro­jekte: Es gilt, der Pla­nung genü­gend Zeit ein­zu­räu­men, damit die offe­nen und oft kom­ple­xen tech­ni­schen The­men aus­rei­chend geklärt, defi­niert und kos­ten­mäs­sig erfasst wer­den kön­nen, bevor die TU-Ausschreibung gestar­tet wird. Dadurch kön­nen die Risi­ken für die Sub­mit­ten­ten ver­rin­gert und die Unter­neh­men mit Aus­füh­rungs­va­ri­an­ten stär­ker in die Kos­ten­op­ti­mie­rung ein­be­zo­gen wer­den. Die im Bericht dia­gnos­ti­zier­ten Defi­zite im Pro­jekt­ma­nage­ment könn­ten mög­li­cher­weise mit der skiz­zier­ten Posi­tion einer (exter­nen) pro­fes­sio­nel­len Gesamt­pro­jekt­lei­tung und einem stär­ker aus­ge­bau­ten Risi­ko­ma­nage­ment beho­ben wer­den.

Die EVP sieht die vor­lie­gende Exper­tise als Chance, die poli­ti­schen und bau­fach­li­chen Pro­zesse zu opti­mie­ren. Sie sucht keine Schuld­zu­wei­sung und vor­ei­li­gen Schlüsse. Ins­be­son­dere macht es für die EVP kei­nen Sinn, die ver­ant­wor­tungs­volle Bau­kul­tur des Kan­tons und die bewähr­ten Pro­zes­struk­tu­ren grund­sätz­lich in Frage zu stel­len. Der Kan­ton als Bau­herr­schaft soll sich wei­ter­hin an einer hohen Bau­kul­tur, an über­durch­schnitt­li­chen ener­ge­ti­schen und öko­lo­gi­schen Stan­dards ori­en­tie­ren. Diese Vor­bild­funk­tion ist eine Ver­pflich­tung. Er sollte sich jedoch vom Anspruch lösen, dass die Bau­pro­jekte einen Leuchtturm-Charakter mit weit­rei­chen­der Beach­tung errei­chen müs­sen – einen gut­schwei­ze­ri­schen Durch­schnitt würde auch genü­gen.

Die EVP unter­stützt den von der Regie­rung ange­strebte Relaunch und ins­be­son­dere die im Bericht unter 4.2 dar­ge­stellte Hand­lungs­al­ter­na­tive «Redisign-to-Value» (Seite 41). Dabei sind die in der Exper­tise skiz­zier­ten Hand­lungs­emp­feh­lun­gen zu berück­sich­ti­gen. Die Pro­jekt­über­ar­bei­tung darf nicht zu Las­ten des Energie- und Öko­lo­gie­stan­dards gehen: Der MINERGIE-P-Eco-Standard und ein sinn­vol­ler Ein­satz des Roh­stof­fes Holz soll­ten bei­be­hal­ten wer­den. Zu prü­fen sind jedoch, inwie­weit die aktu­el­len Erfah­run­gen mit Home­of­fice eine Ver­rin­ge­rung der Büro­flä­chen und einen Ver­zicht auf die geplante Ver­grös­se­rung der Par­kie­rung ermög­li­chen.

Die EVP unter­stützt im Wei­te­ren die von der Regie­rung ange­strebte per­so­nelle Ver­stär­kung des AGG, fall­weise auch die Aus­la­ge­rung von Man­da­ten an externe Pro­fis. Denn feh­lende per­so­nelle Res­sour­cen kön­nen, ange­sichts der anste­hen­den Inves­ti­tio­nen und kom­ple­xen Bau­vor­ha­ben, den Kan­ton teuer zu ste­hen kom­men.

Kon­takt:
Mar­tin Aeschli­mann, Grosssrat und Mit­glied BaK (bis Ende Mai 2020) M 079 263 65 89
Chris­tine Schnegg, Prä­si­den­tin EVP-Fraktion M 076 536 62 88